Interview mit Georg Schwinning

Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit – auf Augenhöhe Perspektiven schaffen und Lösungen finden

Mitarbeitende fördern und binden. Das ist heutzutage eine große Herausforderung für viele Unternehmen, ob auf Konzernebene oder im Mittelstand. Ein Coaching im Zusammenhang einer individuellen Personalentwicklung kann dabei eine wertvolle Form der Unterstützung sein. Georg Schwinning ist geprüfter Coach und hilft Unternehmen bei der Entwicklung von Talenten und Führungskräften.

 

Das folgende Interview entstand im Rahmen eines Personalentwicklungsprogrammes in einem internationalen Konzern, mit dem Georg Schwinning seit vielen Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. Eine freie Journalistin befragte Georg Schwinning zu seiner Tätigkeit als Coach in der Personalentwicklung: 

Sie haben Ihr erstes Buch herausgegeben: Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit – wahre Situationen und handfeste Lösungen. Wie kam es dazu?

Ich lege Wert darauf, dass meine Workshops und Seminare einen großen Praxisbezug haben und so erzähle ich oft von meinen und den Erlebnissen anderer. Immer öfter wurde ich gefragt, wo man die Anekdoten nachlesen kann. Motiviert dadurch, habe ich mich dann an den Schreibtisch gesetzt.

 

Was ist das Besondere an dem Buch?

Mir kam es darauf an, nicht das tausendste Fachbuch zu schreiben, davon gibt es genug und auch viele gute. Durch das Feedback von Seminarteilnehmern habe ich den Eindruck gewonnen, dass man mithilfe der Geschichten leichter die Theorie versteht. So bleiben vor allem Problemlösungen besser in Erinnerung und können leichter abgerufen werden.

 

Wird es einen zweiten Teil geben?

Genug Stoff hätte ich auf jeden Fall.

 

Seit wann arbeiten Sie als Coach?

Als selbstständiger Unternehmer seit 2011. Davor war ich viele Jahre in der Industrie und international tätigen Großkonzernen angestellt und habe selbst erlebt, wie es ist, von heute auf morgen vom Kollegen zum Vorgesetzen zu werden.

 

Woran erkennt man denn einen guten Coach?

Klar, man kann einen Blick auf seine Vita und Referenzen werfen. Aber ein Kennenlern-Gespräch ist unerlässlich, dann merkt man schnell, ob die Chemie passt. Ich finde, das Bauchgefühl sollte entscheiden. Die fachliche Qualifikation sollte natürlich auch stimmen.

 

Wenn Sie von einem Unternehmen für ein Coaching gerufen werden, wie begegnet Ihnen der betroffene Mitarbeiter?

Aufgeschlossen, würde ich sagen. Das hängt aber auch sehr davon ab, welches Grundverständnis das Unternehmen zum Thema Coaching hat. Wird das Coaching als eine wertschätzende Unterstützung kommuniziert, ist das Eis schnell gebrochen. Vermittelt man das Gefühl, du gehörst auf die Couch und leistest nichts, stoße ich auf Widerstand.

 

Was dann auch normal ist, oder?

Ja, absolut.

 

Wie oft begegnet Ihnen denn noch der Irrglaube, dass es bei Ihnen auf die berühmt-berüchtigte Couch geht?

Zum Glück nur noch selten. Ich bin ja kein Therapeut. Witze werden natürlich immer mal gern gemacht.

 

Wie sieht es mit der Vertraulichkeit aus?

Das ist das A und O meiner Arbeit. Die Inhalte der Gespräche bleiben zwischen mir und dem Mitarbeitenden. Ohne Vertraulichkeit wäre keine zielführende Beratung möglich. Aber so etwas muss natürlich vorher deutlich kommuniziert und verabredet werden, damit keine falsche Erwartungshaltung entsteht.

 

Welche Rolle spielt bei Ihrer Arbeit Ihre berufliche Vergangenheit?
Eine sehr große Rolle, meine ich. Ich bin selbst in einem Konzern großgeworden und habe daher Ähnliches erlebt wie meine Kunden. Dadurch wird natürlich meine Glaubwürdigkeit und Akzeptanz gestärkt. Es entsteht das Gefühl: Der weiß, wovon er spricht. Der versteht mich.

 

…. und sie begegnen Ihren Kunden Augenhöhe.

Ja, ein sehr zentrales Stichwort für mich. Ich lege Wert darauf, sich ebenbürtig zu begegnen, keiner soll dem anderen über- oder unterlegen sein.

 

Sprechen Sie nach einem Mitarbeitercoaching auch mal mit dem Chef Tacheles, wenn er sich wirklich wie die Axt im Walde verhält?

Auf Wunsch ist es natürlich möglich und passiert auch hin und wieder.

Wie viele Termine umfasst ein Coaching?

Durchschnittlich sind es zunächst drei bis sechs Termine, unter Umständen auch mehr. Je nach Bedarf. Darüber hinaus ist ein Kennlern-Gespräch obligatorisch.

 

Profitieren Sie auch im Privatleben von Ihren Kommunikationsstärken?

Da fragen Sie am besten meine Zwillinge, die können das besser als ich beurteilen.

 

Sie haben keine Schwächen?

Doch, bestimmt. Ich bin zunächst nur ein Mensch und vergesse auch mal, sinnvoll zu reflektieren.

 

Was mögen Sie besonders an ihrem Job?

Es ist eine tiefe Befriedigung für mich zu wissen, dem anderen helfen zu können. Meine Arbeit gibt mit viel positive Energie und Freude.

 

Was macht Sie als Typ aus?

Ich glaube, Menschen sagen von mir, dass ich sehr bodenständig bin, so bin ich auch aufgewachsen. Ich komme aus einer Handwerkerfamilie, und mir wurden wichtige Werte wie Menschlichkeit, Empathie, Verständnis und Verantwortung vermittelt. Es hat mich sicherlich auch sehr geprägt, früh alleinerziehender Vater von Zwillingen zu sein. Dabei war es mir immer wichtig, gut mit den Menschen umzugehen. Sicherlich auch durch meine Kinder motiviert.

 

Gutes Stichwort: Kinder. Sollte man nicht schon früh im Leben mit Kommunikationstraining beginnen, damit es später nicht so oft eskaliert?

Da gebe ich Ihnen recht. Es wäre von Vorteil, wenn der Mensch schon früh erstes Handwerkszeug für eine gute Kommunikation erlernt. Langsam kommt die Sache auch ins Rollen, und an Schulen und Universitäten wird das Thema angerissen. Aber - nicht tief genug.

 

 

Wie meinen Sie das?

Ich meine damit, dass nicht nur der Mensch wissen sollte, wie Kommunikation funktioniert. Auch ein Unternehmen muss eine Kommunikationskultur schaffen: Wie wollen wir miteinander umgehen und zusammenarbeiten? Muss der Mitarbeitende Sorge haben, sich zu blamieren oder darf er sich trauen, offen zu sprechen? Der Kulturrahmen ist da sehr wichtig, und ich habe den Eindruck, dass hier viele Firmen noch Nachhilfeunterricht brauchen könnten.

 

Gibt es eine Grundvoraussetzung für ein Coaching?

Ja, damit Coaching funktioniert, muss der andere es auch wollen. Sonst kann man es ganz sein lassen.

 

Unterstützen Sie auch Menschen bei der Aufgabe, Stress aus der Arbeit zu nehmen?

Ich habe viele Kunden, die sich in einem großen Spannungsfeld befinden, viele Rollen erfüllen müssen und deshalb das Gefühl haben, nie zur Ruhe kommen zu können. Gleichzeitig erfüllt es sie mit Stolz, am Unternehmenserfolg teilhaben zu können. Ein Dilemma für viele.

 

Was raten Sie dann?

Es ist eine enorme Herausforderung, den vielen Rollen, die man innehat, gerecht zu werden. Das einzige was hilft, ist, eine Form der Abgrenzung zu finden, auch wenn man einen gewissen Preis dafür zahlen muss und die Karriere sich weniger erfolgreich entwickelt, als man geplant hat.

 

Reden ist das eine…

… eine Entscheidung zu treffen, das andere. Dann helfen oft ein reflektierender Dialog und ein anderer Blick auf die Situation.

 

Hand aufs Herz: Kann man wirklich gute Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit lernen oder liegt ein Großteil in den Genen?

In den Genen? Weiß ich nicht. Aber ich kann es nur jemandem beibringen, der eine offene Grundhaltung mitbringt. Ohne die 4M-Formel wird man sicherlich nicht weit kommen und Erfolg haben.

 

Wofür steht 4M?

Ganz einfach: Man Muss Menschen Mögen. Wenn man das nicht im Herzen trägt, sollte man keine Führungskraft sein.